Solche Zielgerichtetheit ist für den modernen Künstler schwer zu akzeptieren, der es gewohnt ist, sich selbst als Hauptfigur seiner Schöpfung zu sehen, aber sie wurde von den christlichen Künstlern der Vergangenheit ruhig und ohne Komplexe angenommen. Es ist uns sogar, was heute undenkbar ist, der größte Teil der Künstler vor dem Ende des Spätmittelalters unbekannt, was verstehen lässt, dass es ihnen weniger wichtig war, ihren Namen unvergänglich zu machen, als ein Werk im Dienst für Gott zu schaffen, ein Opus Dei.

Diese Auffassung von der Kunst beruht auch auf der Intuition, dass die Schönheit nicht Selbstzweck, sondern Mittel und Bedingung für den Ausdruck des Seins ist. Der Beweis dafür ist die Tatsache, dass Schönheit als Selbstzweck nach kurzer Zeit entartet und entäuscht. Hingegen erneuert sie sich immer wieder, wenn sie ihre Beziehung zum Sein aufrecht erhält. In der sakralen Kunst liegt die Zielgerichtetheit der Kunst im Dienst am Kult und in letzter Instanz am göttlichen Ereignis, hauptsächlich an der Eucharistie. Dies bedarf weniger, einfacher Zeichen, die direkt ans Herz des Nutznießers gehen und ihn in Berührung bringen mit jenem Ereignis. In diesem Sinn hat die Schönheit in der christlichen Kunst grundsätzlich eine Ordnungsfunktion: in der Kirche, als Ort der Begegnung des Göttlichen mit dem Menschlichen wird die Unordnung des Lebens durch seinen letzten Sinn geklärt. In der Sakralkunst scheint das durch, was man bereits mit den Augen des Glaubens sieht. Das offenbart sich in der neuen Wirklichkeit, das heißt der Kirche, dem Neuen Jerusalem

Seine Exzellenz
+ Mauro Piacenza
Titularbischof von Vittoriana
Präsident der Päpstlichen Kommission für die Kulturgüter der Kirche
Präsident der Päpstlichen Kommission für Sakrale Archäologie.

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