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In vielen Fällen scheint es, wenn Architektur oder Kunst entsteht, als ob die Ursprünglichkeit ein unverzichtbarer Wert für sich selbst sei. Tatsächlich denkt aber die Kirche nicht genau so. In der Tat sind nicht einmal die Doktrinen und Möglichkeiten der Statik unveränderlich, aber Fortschritt geschieht und organisches Wachstum erfolgt um mit Vinzenz von Lerins zu sprechen in ununterbrochener Tradition. In Wirklichkeit gibt es nichts wahrhaft Neues in dem Sinn, das ursprünglich unerhört bedeutet; es geht eher darum, einen Anhaltspunkt in der Tradition hervorzuheben in einem größeren Verständnis, worin der Glaubensschatz besteht und was auf die Lebendigkeit des Letzteren hinweist.
In diesem Sinne war die Umgestaltung der Altäre und der Tabernakel während der Jahrhunderte, ebenso wie die Darstellungsgegenstände auf den Altarbildern, nicht allein der Genialität der Künstler zu verdanken, sondern hat sich vor allem aus liturgischen Erfordernissen entwickelt und aus „den Gesetzen eines präzisen Verständnisses für das Mysterium“ (Nr. 49). Zum Beispiel war im 16. Jahrhundert die Notwendigkeit einer Unterstreichung der Realpräsenz wegbereitend, weil diese zur Diskussion gestellt worden war. So hat das Konzil von Trient die Forderung kodifiziert, dass der Tabernakel die endgültige, feierliche Form eines Tempels haben solle und eine zentrale und gut sichtbare Aufstellung auf dem Altar, um die fortwährende Realpräsenz vom Messopfer her zu unterstreichen. Tatsächlich ist die Realpräsenz sicher keine Neuheit in der Glaubenslehre, aber es war seelsorglich notwendig, sie zu einem gegebenen Zeitpunkt aus historischen Zusammenhängen in einer bestimmten Weise hervorzuheben. Zuvor wurde dies mit anderen Hilfsmitteln betont, wie mit dem Mystischen Lamm, das auf dem Altar oder im Gewölbe des Presbyteriums aufgemalt oder skulptiert war, während der Altar unterschiedliche Form und Aufstellungsort besaß, so wie auch der Tabernakel. Die kirchlichen Auftraggeber hatten niemals Angst vor Neuerungen, aber sie achteten grundsätzlich darauf, dass diese mit der unveränderlichen Lehre der Kirche kohärent sind und schrittweise erfolgen, dass sie für die Gläubigen verständlich sind, in anderen Worten: in den Geleisen der immerwährenden Traditio Ecclesiae. Die christliche Kunst stand immer im Dienst der Gegenwartsbezogenheit, denn die Eucharistie ist nichts anderes, als dass Christus hier und jetzt gegenwärtig ist. Dies drückt Raffael sehr gut in der sogenannten Disputation des Sakraments aus, welche tatsächlich die Darstellung der Kirche ist, die sich in ihrer Gesamtheit versammelt um die Eucharistie, nicht vor einem einzelnen Sakrament, sondern vor dem herausragendsten, culmen et fons. . |
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