Die Liebe für die Schönheit und für den Kult

In der letzten Enzyklika „Die Kirche und die Eucharistie“ von Papst Johannes Paul II. seligen Angedenkens folgt auf den theologischen Abschnitt, in dem die theologische Grundlage des Sakraments erklärt wird, ein liturgisch-künstlerischer Teil in dem Kapitel mit dem Titel „Das Dekorum in der liturgischen Feier“ (Nr. 47 – 52), in welchem sehr interessante Hinweise für den Kunstschaffenden gegeben werden und festgehalten wird, dass das Dekorum keinesfalls zweitrangig für den eucharistischen Kult ist.

Eine sehr interessante Bestätigung ist, dass Christus selbst das Dekorum wollte: Dabei erinnert man sich an die Vorbereitungen in dem Saal für das Letzte Abendmahl (s. Markus 14,15; Lukas 22,12) und die Salbung zu Betanien (s. Matthäus 26,8 und parallele Evangelienstellen), die der Einsetzung der Eucharistie vorausgingen. In der letzteren Episode hat Christus angesichts der entrüsteten Einwendung des Judas – so wie auch der „Judas-Charaktere“ aller Zeiten – „man könne doch so vielen Armen mit diesem Geld helfen!“ selbst gesagt, dass Dekorum notwendig ist. An anderer Stelle zitiert der Papst einen Abschnitt vom Heiligen Johannes Chrysostomus, in dem versichert wird, dass das Dekorum kein Luxus ist, dass es aber immer auf die essentielle Armut bezogen sein muss: Sicher ist es nicht recht, kostbare Kelche zu haben und goldene Säulen aufzurichten, während Christus in Armut auf der Straße stirbt. Die Kirche hatte aber immer einerseits die Liebe zum Dekorum, andererseits den Eifer für die Caritas. Und wie überzeugend lässt sich doch feststellen, dass die großen Heiligen der Nächstenliebe und der freiwilligen Armut sich immer durch ihre Liebe für den Glanz des göttlichen Kultes ausgezeichnet haben. Die Heiligkeit ist im Übrigen immer weit entfernt von Demagogie und folgt ihrer eigenen Logik der reinen Liebe. Sicherlich soll ein Gleichgewicht im Dekorum herrschen, das nicht Luxus und Zurschaustellung sein darf. Die Kirche – so liest man in der Enzyklika – fürchtete sich nicht vor „Verschwendung“, wenn es darum ging, Geld auszugeben für die Schönheit und für das Dekorum. Dieses dient tatsächlich dem Zweck des „Staunens in der Anbetung vor dem unermesslichen Geschenk“. Das Dekorum hat sein Ziel darin, die Bewunderung für das Mysterium hervorzurufen, das in der Eucharistie verborgen ist.

Das Dekorum beruht offensichtlich ganz besonders auf einer innerlichen Einstellung, und die Kunst gehört mit vollem Recht dazu, denn in ihr drückt sich die Beziehung zur Schönheit aus und sie steht im Dienst des Inhaltes. Das Dekorum darf deshalb nicht Zurschaustellung sein, um nicht in sich selbst sein Ziel zu finden, um nicht Filter oder Ablenkung zu sein. Es ist dafür bestimmt, das Gebet zu begünstigen und das Staunen vor dem verborgenen Mysterium. Aus derselben Quelle ist die christliche Liturgie entstanden, die aus dem Festmahl hervorgeht und dadurch eine Stimmung der Feierlichkeit und der Schönheit schafft.

.


weiter