Christine Gouly-Lichtenegger
Kienmayergasse 60/20
A-1140 Wien


Geboren in Wien. Literatisch seit vielen Jahren tätig. Schreibt vorwiegend ernste Lyrik und philosophische Essays. Bisherige Buchpublikationen: "Im Tanz der Hände des Meisters" und "Allein deiner Liebe Licht" sowie Veröffentlichungen in diversen Anthologien. Viele Gedichte vertont von Norbert Herzog.
Zahlreiche Lesungen, u.a. in der Pfarrkirche von Gumpoldskirchen und der Deutschordenskirche in Wien.

BAUT SICH DAS BOOT

Da die Straße aufhörte, - obzwar das innere Ohr mit den späteren Jahren besser zu hören gelernt .hatte und nur zu gerne noch weiter der schönen Stimme des Lichts gelauscht hätte, um immer besser .gehen zu können, - war sie am Ende des Kontinents "Leben" angekommen und drohte unweigerlich .abzustürzen in eine undurchsichtige Milch des Meeres, die dem Ertrinkenden unaufhaltsam in Blut .und Gehirn einfließen würde - und vielleicht doch dem Schmecken von Süße im weiten.Hinübergleiten zum anderen Ufer.
Denn die Seele möchte es glauben, im Augenblick des Sturzes BAUT SICH DAS BOOT, um sie .aufzufangen und sicher hinzuschiffen, selig, in das endlos große Antlitz Gottes.
Aber doch, denke ich, alles fährt mit; so auch der letzte zurückgeworfene Blick auf die Säulen, eingestürzt und schmachvoll, und weinend der zurückgebliebene Freund bei dem Baum, der noch die grünen Blätter hatte und die zu ihm gelaufenen vielen Wünsche, auf daß er Kraft haben möge und die so notwendige helle Andacht in seinem Herzen. Die vielen Feinde, hinverstreut am aschgrauen Feld der tausend kleineren oder größeren Kämpfe, sie waren blutleer und blaß und ohne jegliche weitere Nahrung und auch das dichte Gespinst von Fragen und Gedanken, die ungelöst hingen gleich einem Nebel zwischen Himmel und Erde.
Aber wenn auch nußklein der Mensch in der Schale über das weite Meer und erbärmlich, löst, erlöst am Ende die Barmherzigkeit Gottes alle versprungenen Rätsel und gießt das erträumte, erhoffte Licht in die Dunkelheit der Täler der lange gewesenen Nacht.

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