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Die Katholische Kirche
und die Kunst: Eine Verbindung, die Jahrhunderte
hindurch viel Fruchtbares wachsen ließ, ein
gegenseitiges Geben und Nehmen, das zu jenen großen
Meisterwerken führte, die wir heute auf der ganzen
Welt bewundern dürfen. Leider geht dieses gemeinsame
Wirken zwischen Kirche und Kunst seit gut zwei
Jahrhunderten immer mehr verloren, die bis dahin oft
gemeinsamen Anliegen und Ziele driften auseinander,
und bis heute konnte diese Trennung nicht überwunden
werden. Deutlich sichtbar wird dieser schmerzhafte
Prozess in den Ausdrucksformen der Moderne, der
künstlerischen Avantgarde: Die neue Kunst soll eine
neue Freiheit eröffnen. Dazu müssen Tabus
durchbrochen, die Fesseln der Konvention abgeworfen,
alle etablierten Ordnungen abgebaut werden. Daß die
Katholische Kirche als göttliche Stiftung hier
Vorbehalte anmelden muß, wird heute nicht gerne
gehört.
Ich muß gestehen, daß
deshalb die Entscheidung, 1 995 die Initiative IMAGO
zu starten, nicht einfach war. Doch die bis dahin
bereits recht stattliche Anzahl christlicher
Künstler aus allen Bereichen, die sich seit geraumer
Zeit in der Erzdiözese regelmäßig traf, ermutigte
mich: In fast einjähriger Arbeitszeit wurde ein
Programm entworfen, das, basierend auf den Aussagen
der Katholischen Kirche zum Thema Kunst, als
Grundlage für das weitere Vorgehen dienen sollte. Es
ging vor allem darum, die eigene Wertigkeit der
christlichen Kunst in besonderer Weise
herauszustreichen, die die Katholische Kirche immer
im Lob des Herrn gesehen hat. Und natürlich erhoffte
ich mir durch diese Initiative auch einen Impuls für
die wichtige Aufgabe der christlichen Kunst im
Bereich der Verkündigung des Glaubens ganz im Sinne
der Bestrebungen unseres Hl. Vaters zur
Neuevangelisierung.
Die Öffentlichkeit hat
auch nicht aufgehört, das Projekt mit Argusaugen zu
beobachten, und das in bestimmten Punkten durchaus
zur Recht: besonders was den Qualitätsanspruch
betrifft, der allein dem hohen Anlaß des Themas
entspricht und der allein würdig ist, kirchliche
Kunst zu gestalten. Jeder, der sich ehrlich mit der
christlichen Kunst auseinandersetzt, wird in aller
Demut bekennen, daß hier ein Streben kein Ende
findet. Doch erscheint mir ein weiterer Punkt wesentlich, dem heute leider wenig Beachtung geschenkt wird: Gemäß dem Rat der großen spanischen Kirchenlehrerin, der Hl. Theresia von Avila, die nicht weit von hier gelebt und gewirkt hat, ist das Schauen der Heilsereignisse, das ständige "Voraugenhaben" Christi, ein ganz wesentlicher Punkt auf dem Weg zum Heil. Es war der Katholischen Kirche daher immer wichtig, daß Künstler, die sich mit Themen des christlichen Glaubens auseinandersetzen, auch versuchen, diese zu erfassen, selber zu leben, ja im Glauben zu schauen. Ich meine, daß nicht wenige große Werke der christlichen Kunst aus diesem Leben und Schauen der Heilsereignisse hervorgegangen sind, und deshalb berührt ihre Schönheit bis heute. Hier kann Kunst wirklich Gotteslob werden und zum Gebet führen.
Nach zwei Ausstellungen
in Wien, der Einladung nach Rom an die Gregoriana
und der weltweiten Internetschaltung des Katalogs im
Vorjahr, findet nunmehr die fünfte Präsentation der
Werke dieses Kunstkreises in Spanien statt. Ich
freue mich aufrichtig, dieses kleine Jubiläum, das
mit Sicherheit nicht vorhergesagt werden konnte, in
Espartinas-Sevilla feiern zu dürfen. Ich danke dem Kloster „Nuestra Senora de Loreto" für die wunderbaren Ausstellungsmöglichkeiten sowie allen Verantwortlichen, die zum Gelingen dieser Präsentation beigetragen haben. Mein Dank gilt dem Erzbischof von Sevilla, seiner Exzellenz Carlos Amigo Vallejo, den staatlichen Behörden und ganz besonders der Escuela de Imagineria und ihrem Leiter, Herrn Angel Luis Schlatter Navarro, ohne dessen unermüdlichen Einsatz für die christliche Kunst eine IMAGO 2001 in Sevilla nicht möglich gewesen wäre. Ich hoffe sehr, daß das Zusammentreffen spanischer und österreichischer Künstler anläßlich dieser Ausstellung die Wichtigkeit der christlichen Kunst im Leben der Weltkirche weiter unterstreicht.
Seine Eminenz +
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